Erwachsen geworden: Die Methodistenkirche in Kambodscha feiert ihren 25. Geburtstag
In einer schlichten Feier würdigten am 11. September kambodschanische Methodist:innen und Mitglieder der Gründerorganisationen den Weg der Kirche. Dieser soll zunehmend in die Unabhängigkeit führen. Chamroeun Yi, Luon Rachana und Peter Siegfried erzählen, was sie begeistert und besorgt und was sie dem Geburtstagskind wünschen.
Vom 9. bis 11. September fand in Phnom Penh die Jährliche Konferenz (Synode) der Methodistenkirche in Kambodscha (MCC) statt. Darin integriert war die 25-Jahr Feier, die von Präsident Lun Sophy bewusst schlicht gestaltet wurde. Denn Kambodscha ist wegen der Grenzkonflikte mit Thailand in einer schwierigen Situation. Gewürdigt wurde in der Feier, dass verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern über eine lange Zeit gemeinsam die MCC aufgebaut haben. «In den Reden hat es augenzwinkernde Momente gegeben und Bilder aus früheren Zeiten haben für Lacher bei den Anwesenden gesorgt», berichtet Andreas von Känel. Er ist Programmverantwortlicher für Kambodscha von Connexio hope and develop, dem Hilfswerk der Methodist:innen in der Schweiz, das die MCC seit Beginn unterstützt hat. Zusammen mit Koordinatorin Socheata Chap und Christine und Peter Siegfried war er als Delegierter dabei.
Unabhängig sein?
Methodistische Kirchen aus fünf Ländern waren bei der Gründung der MCC beteiligt: Die USA, Singapur, Korea, Malaysia und die Schweiz. Diese Agencies sind noch immer stark präsent; teilweise besitzen sie Liegenschaften und unterstützen die Kirche personell und finanziell. Für das Jahr 2027 ist die Unabhängigkeit der MCC angestrebt, auf die seit Jahren hingearbeitet wird. Präsident Lun Sophy betont: «Vorangehen verlangt Handeln und Veränderung. Wachstum ist beides: dass man an Jahren wächst und dass man persönlich wächst. Persönliches Wachstum heisst: reif werden.» Dies geschähe nicht automatisch, sondern man müsse es wollen. Wollen müssen es auch die Agencies. Einige fördern den Übergang in die Unabhängigkeit. Andere haben es damit nicht eilig. Es gilt bei diesen Prozessen vieles zu bedenken, wie finanzielle Schwierigkeiten der Kirche und Nachwuchsprobleme. Doch wie sehen Mitglieder – und ein Gründungsmitglied – die Kirche heute; was begeistert, besorgt und bewegt sie am 25. Geburtstag?
Kein Baby mehr
Chamroeun Yi ist Laienmitglied und Teil der Kirchenleitung. Er freut sich über die Entwicklung der MCC. «Heute haben wir eine starke Struktur, ein nationales Netzwerk und eine eigene, kambodschanische Kirchenleitung. Früher waren wir wie ein Baby, nun sind wir 25 Jahre alt, wir sind erwachsen. Wir brauchen keine tieferen Wurzeln, keine neuen Äste und keine zusätzlichen Blätter – all das haben wir bereits. Worauf wir hoffen, sind viele ‘gute Früchte’: Menschen, die sich engagieren, die anderen dienen und ihre Gaben einbringen.» Sorge macht ihm, dass die Gemeinde sich intern spalten könnte. «Die meisten von uns engagieren sich unbezahlt, aus vollem Herzen. Aber wir kommen aus sehr unterschiedlichen Familien und Hintergründen: Einige arbeiten in NGOs, andere in der Regierung oder in Unternehmen – da prallen manchmal verschiedene Welten aufeinander.»
Ort des Schutzes und Segens
Laienmitglied Luon Rachana wünscht ihrer Kirche zum 25. Geburtstag Gottes Segen. «Ich wünsche mir, dass wir mehr Menschen erreichen und sie in das ‘Haus des Herrn’ einladen können – einen Ort des Schutzes und des Segens. Ich wünsche mir eine Gemeinschaft, in der sich alle willkommen und getragen fühlen, in der der Glaube gemeinsam wächst und wir Liebe und Freundlichkeit teilen.» Weil viele Menschen darum kämpften, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, hätten sie weniger Zeit für die Kirche und das Risiko sei gross, Mitglieder zu verlieren. Die 25.-Jahr Feier bedeutet ihr sehr viel. Aus wenigen Gemeinden sei eine starke Denomination geworden. «Auch wenn wir finanzielle Herausforderungen haben, können wir stolz sein, dass wir jetzt Gebäude haben, die wir voller Freude ‘Gottes Haus’ nennen.»
Von Geburt an dabei
Pfarrer Peter Siegfried hat erste Initiativen für die MCC seit 1997 begleitet und ist 40-mal nach Kambodscha gereist. Ihn begeistert die grosse Zahl von Kindern und Jugendlichen in den Gemeinden, die Einfachheit der Leute auf dem Land und ihre Freude im Gottesdienst, besonders beim ausgiebigen Singen. Beeindruckt ist er, dass die Kirche trotz aller Schwierigkeiten findet: «Wir machen weiter!» Schwerpunkt seines Engagements waren vor allem regelmässige Weiterbildungskurse für die vielen jungen Pfarrerinnen und Pfarrer.
Die Kirche hat finanzielle Probleme und es fehlen ihr heute junge Menschen, die sich zur theologischen Ausbildung berufen lassen. «Als wir begannen, lag das Land am Boden: Universitäten funktionierten nicht richtig, und viele hatten keine Chance auf Ausbildung. Da war die Bibelschule – trotz ihres tiefen Niveaus – eine grossartige Möglichkeit. Viele, die heute in der Kirche Verantwortung tragen, wurden damals ausgebildet. Heute gibt es in Kambodscha Ausbildungswege wie im Westen. Junge Leute wählen eher eine säkulare Laufbahn, vor allem weil die finanziellen Möglichkeiten als Pfarrperson extrem begrenzt sind.»
Ein grosses Staunen
«Dass unsere Kirche in Kambodscha Fuss fassen durfte und sich zum Dienst im Land ausrüsten liess, ist ein Wunder», findet Peter Siegfried. «Vieles musste bei null anfangen, doch es ist gelungen, weil in den Herzen der Menschen die feste Überzeugung lebte: Gott ruft uns, das Evangelium den Landsleuten weiterzugeben.» Dieser Ruf sei in Kambodscha dagewesen, als nach der Roten-Khmer-Krise alles im Aufbau war – auch der christliche Glaube. Gleichzeitig hatten verschiedene methodistische Kirchen denselben Ruf erhalten: «Kommt uns helfen, die Kirche aufzubauen!» Methodistische Kirchen aus fünf Ländern kamen fast gleichzeitig ins Land. «Dass sich diese Kirchen finden durften, und trotz aller Differenzen seither zusammen mit den Kambodschanern diese Kirche aufbauen konnten, das ist schon fast ein Wunder, aber auch eine Bestätigung, dass Gott das so wollte. Es ist für mich ein grosses Staunen, was alles hat werden dürfen. Ich wünsche der Methodistenkirche in Kambodscha weiterhin die Führung und Begleitung Gottes – und dass sie es immer wieder erlebt, wie Gott ihr beisteht.»
Text: Text: Andreas von Känel/ Nicole Gutknecht
Fotos: Socheata Chap und Andreas von Känel
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