Nur da sein für die Menschen – wie Jesus

Bożena Daszuta, Mitglied des Kirchenvorstands in Polen, war am 20. Januar im Connexio-Mission Talk zu Gast. Sie erzählte von Sommercamps, der Einladung des polnischen Präsidenten und der wachsenden Furcht vor dem Krieg. Und sie findet: Kirche muss authentischer werden.  

Bożena Daszuta ist verwitwet, hat zwei Kinder und lebt in Kielce, im Süden von Polen. Sie unterrichtet Englisch, ist Mitglied des Kirchenvorstands der Methodistenkirche in Polen, führt die Kasse in ihrer Gemeinde und engagiert sich in der Arbeit mit Kindern. Im einstündigen Zoom-Treffen gab sie einen spannenden und persönlichen Einblick in das, was Gesellschaft und Kirche beschäftigt. Und die 16 Teilnehmenden – je eine Person kam aus den USA und aus Estland- nahmen Denkanstösse für die eigene Arbeit mit.

Methodistin werden – bloss nicht

Die Methodistenkirche in Polen ist seit 1925 vom Staat anerkannt. «Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg waren wir stark sozial engagiert», erzählt Bożena Daszuta, «und ich hoffe, dass wir das wieder mehr tun.» Doch es gab auch Ausgrenzung: «Es gibt noch Personen, die methodistisch wurden, als nach dem Krieg Missionare kamen. Die Nachbarn warfen mit Steinen nach ihnen und einige hatten es als Kind in der Schule wirklich schwer.» Bożena Daszuta ist katholisch aufgewachsen und hat sich als junge Frau für die Methodistenkirche entschieden. Ihr Vater habe nur gefunden, sie sei erwachsen und solle ihre eigene Wahl treffen. Aber ihre Mutter habe Angst gehabt und gemeint: «Du bist katholisch geboren und aufgewachsen. Was werden die Leute sagen?»

Kindern eine gute Zeit schenken

Heute sei es anders: «Wir fragen nicht danach, aber die meisten Kinder, die zum Sommercamp kommen, sind katholisch. Die Menschen sind offener und unsere Gemeinde ist wegen dem Camp bekannt.» Bożena Daszuta ist begeistert: «Wir haben 2007 mit 16 Kindern begonnen, jetzt sind es 400; davon sind nur 20 aus unseren Gemeinden und alle andern aus den Dörfern – sogar die Behörden schätzen uns. Familien, die sich die Kosten nicht leisten können, unterstützen wir. Alle Kinder sollen eine gute Zeit haben dürfen.» Die Kirche engagiert sich auch mit therapeutischen Camps für Menschen mit einer Suchterkrankung und deren Angehörigen. Und englisch, -spanisch,- sowie ukrainisch-sprachige Gemeinden öffnen ihre Türen für Menschen, die fremd in Polen sind.

Gemeinsam Neues erkunden bei einer Kinderfreizeit. Foto zVg
Gemeinsam Neues erkunden bei einer Kinderfreizeit. Foto zVg
Menschen aus der Ukraine aufnehmen

Zur Gemeinde in Kielce gehören vier Personen, die aus der Ukraine geflüchtet sind; zwei wohnen in der Kirche. «Die gehören zu uns. Sie sind unabhängig und haben eine Arbeit.» Werden sie zurückkehren? Bożena Daszuta überlegt: «Die eine ist eine alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter: die werden bleiben. Bei der anderen Familie kann der Vater die Ukraine nicht verlassen; seine Frau reist hin und her. Sie warten darauf, dass der Krieg endet.» An mehreren Orten wurden ukrainische Geflüchtete in Räumen der Kirche aufgenommen. Manche ziehen weiter, zum Beispiel nach Deutschland. «Wir unterstützten sie, und sie dürfen bleiben, bis sie ihren Papierkram gemacht haben.»

Krieg vor der Haustür

Polen grenzt an die Ukraine und an Russland. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass es in Polen Krieg geben könnte. «Wir sind nicht gerade gelähmt vor Angst, aber wir haben sie im Hinterkopf», sagt Bożena Daszuta. «Es gibt Leute, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben. Andere sagen: ‘Nein, nein, es wird nichts passieren’. Viele bauen und kaufen Appartements in Spanien. Aber es ist so: Der Krieg ist vor unseren Grenzen, vor unserer Haustür.»

Kirche verliert an Bedeutung

In Polen sind 90% der Bevölkerung römisch-katholisch, 1-2% protestantisch und etwa 1% orthodox. Im Januar war, wie jedes Jahr, eine Vertretung der Methodistenkirche beim polnischen Präsidenten eingeladen, zusammen mit allen anerkannten Kirchen und weiteren religiösen Gemeinschaften. Doch viele würden die katholische Kirche verlassen, weil es Missstände gebe, was aber auch in anderen Kirchen vorkomme, so Bożena Daszuta. «Und die Leute scheinen weniger interessiert. Andere Dinge, wie materieller Wohlstand, sind wichtiger.» Mit der Wende um 1990 habe zwar eine hoffnungsvolle Entwicklung begonnen: «Es gab Freiheit für die Menschen: die Freiheit, zu gehen, wohin sie wollen, zu denken, was sie wollen. Doch die Gesellschaft strebt danach, mehr zu haben. Viele sagen sich vielleicht: Wir brauchen Gott nicht.»

«Nur» da sein

Diesen Entwicklungen müssten sich alle Kirchen stellen. «Auch bei uns ist es schwieriger geworden, die Leute zu behalten. Vielleicht ist es unser Fehler. Wir sollten authentischer sein, Zeugen sein, die es wert sind, so genannt zu werden», meint Bożena Daszuta nachdenklich. Denn die Menschen – und gerade Kinder und Jugendliche – würden Authentizität suchen. «Wir sollten nicht nur am Sonntag predigen. Sondern mit den Menschen sein, zu ihnen halten, wenn Dinge schiefgehen, und Hoffnung weitergeben. Wir müssen nur da sein. So wie Jesus da war für die Leute: er war da und hörte ihnen zu und redete mit ihnen.»

Beitragsbild: Bożena Daszuta, Mitglied des Kirchenvorstands in Polen

Kurz gefragt:

Polen braucht die Methodistenkirche, …wegen der Diversität der Kirchen. Die Menschen brauchen uns wegen des sozialen Engagements. Und ich möchte gerne hoffen, dass Polen uns wegen unseres Zeugnisses braucht.

Bitte betet dafür…. dass Frieden wird.

Meine Hoffnung ist, …dass Menschen ein offenes Herz für das Evangelium haben; ein Evangelium, das wir nicht nur mit Worten, sondern mit authentischen Taten predigen.

 

Beim Connexio-Mission Talk…

…kommen Sie via Zoom in persönlichen Kontakt mit Menschen aus der weltweiten Kirche. Sie sind herzlich eingeladen! Mehr Informationen finden Sie hier:

 

 

Ihre Spende zählt! 

Connexio hope ist die Organisation für kirchliche Zusammenarbeit der Methodist:innen in der Schweiz. Sie unterstützt die Kirche in Polen unter anderem mit Beiträgen an Pfarrgehälter, für Medienarbeit und für sozialdiakonische Aktivitäten.

Zürich, CH09 0900 0000 1574 7657 4, Vermerk «Polen»

 

Nicole Gutknecht
Begegnungen & Kommunikation