Argentinische Evangelische Kirchen fordern Schutz für Rentner:innen
Die aktuelle Sparpolitik bringt Pensionierte und kranke Menschen in finanzielle Not. Das gehe gar nicht, findet der Verband Evangelischer Kirchen, zu dem auch die Methodistenkirche gehört. Er fordert von der Regierung mutigere und kreativere Lösungen und appelliert: «Wählen Sie das Leben.»
«Die wirtschaftliche, politische und soziale Situation in Argentinien ist hoch komplex», meint Américo Jara Reyes, Bischof der Methodistenkirche in Argentinien Die Armut ist zwar im Jahr 2024 von weit mehr als 50 Prozent auf 38 Prozent gesunken. «Doch der Staat spart stark bei den Renten, dem Bildungs- und Gesundheitswesen.»
Rente reicht nicht mehr für Medikamente
Der Mindestansatz einer Rente ist umgerechnet rund 240 Franken. Aber Lebensmittel und Gas sind teuer geworden; ein Kaffee kann in Buenos Aires fünf Franken kosten. Selbst eine Rente von 500 Franken reicht nicht immer, wenn jemand Medikamente braucht oder wenn die Mieten stark ansteigen. Manche haben 40 Jahre gearbeitet und kommen jetzt in finanzielle Schwierigkeiten. Diese Situation wird als ungerecht empfunden und löst Wut aus: Viele Rentner:innen demonstrieren jeden Mittwoch, auch wenn die Polizei teilweise hart gegen sie vorgeht.
Gegen das Veto – für faire Renten
Der Kongress hat das Problem gesehen und wollte Anfang August die Renten um 7,2 Prozent anheben. Doch Präsident Javier Milei legte sein Veto ein. Am 20. August hat der Verband Evangelischer Kirchen in Argentinien darum einen offenen Brief an die Abgeordneten der Regierung geschrieben. Er bittet sie, sich gegen das Veto zu wehren und sich für den Beschluss der Rentenerhöhung einzusetzen. Die Fürsorge für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung sei ein zutiefst menschliches Handeln, das nicht eingeschränkt werden dürfe.
Bitte mehr politischen Mut und Kreativität
«Menschen mit Behinderungen brauchen therapeutische Begleitung, und ältere Menschen haben es nicht verdient, sich zwischen Essen und Medikamenten entscheiden zu müssen.» Ein ausgeglichener Haushalt sei in jeder Wirtschaft notwendig und grundlegend, meint der Verband. «Um ihn zu erreichen, braucht es jedoch viel mehr politischen Mut und Kreativität als die Aberkennung von Rechten für Men-schen in einer verletzlichen Situation.»
Bröckelnde Demokratie
Der kürzlich in beiden Kammern des Nationalkongresses gefasste Beschluss, die Renten anzuheben, schaffe keine Privilegien. Sondern es werde ein realer Notstand ernst genommen und eine sich ver-schärfte Situation leichter gemacht. «In einem Land, das seine älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen im Stich lässt, bleibt nichts mehr stehen. Die Demokratie selbst beginnt zu bröckeln, wenn wir nicht einmal mehr diejenigen versorgen können, die es am dringendsten brauchen und die Pflege benötigen», wird im Brief betont.
Wählen Sie das Leben!
Es gäbe Entscheidungen, die zeigten, wer jemand sei und welche Werte er vertrete. Der Verband Evan-gelischer Kirchen zitiert aus der Bibel, Deuteronomium 30, 19: «Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.» Der offene Brief appelliert an alle Abgeordneten: «Jetzt ist es an jedem einzelnen von Ihnen, zu entscheiden, auf welcher Seite der Geschichte Sie stehen wollen, welche Gesellschaft Sie aufbauen wollen und wie Sie in Zukunft in Erinnerung bleiben wollen. Nein zum Veto.»
Symbolbild von Sgenet via Pixabay
Die Methodistenkirche in Argentinien…
… macht sich für soziale Gerechtigkeit, das Recht auf Migration, Klimagerechtigkeit und Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stark. In offenen Briefen und an den Mittwochsdemonstrationen bezieht sie öffentlich Stellung und setzt sich – zusammen mit anderen Kirchen und Organisationen – für das Einhalten der Menschenrechte ein.
Connexio hope unterstützt die Methodistenkirche in Argentinien finanziell.
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