Denen eine Stimme geben, die nicht gehört werden
Carolina Zaballa Romero ist Psychologin, Künstlerin, Menschenrechtsaktivistin – und seit August neue Koordinatorin für Südamerika bei Connexio hope and develop. Sie erzählt von ersten Eindrücken und wie und warum sie sich engagiert.
Seit August 2025 ist Carolina unsere neue Koordinationsperson. Was ist sie für ein Mensch? Was treibt sie an? Und welche Projekte liegen ihr besonders am Herzen? Wir haben sie gefragt.
Carolina, du bist die neue Koordinatorin für die Projekte in Argentinien, Bolivien und Chile. Stell dich doch kurz vor.
Ich komme aus einer Familie sehr starker Frauen, die mir seit meiner Kindheit beigebracht haben, zu kämpfen und meine Stimme zu erheben. Ich lehne Gewalt, Diskriminierung, Ausbeutung, Rassismus und Machismo ab. Ich glaube an Kinder, Frauen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Migrantinnen und Migranten und Indigene. Ich glaube an Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Respekt. Dafür kämpfe ich, damit diese Welt für diejenigen, die in unsere Fussstapfen treten, besser wird. Ich bin eine Träumerin, ausdauernd und kreativ. Aber ich habe auch den Mut, für das zu kämpfen, was gerecht ist. Und ich habe gelernt, an den verlassensten Orten ein Lächeln der Hoffnung zu malen.
Welches waren bisher schöne Momente als Koordinatorin?
Das Connexio-Team hat mich sehr gut aufgenommen; ich spüre Kameradschaft und eine Verbundenheit, die sich über verschiedene Kontinente erstreckt. Wir sprechen zwar verschiedene Sprachen, aber wir finden einen Weg, uns zu verstehen. Fragt mal den Programmverantwortlichen Andreas, der in unseren wöchentlichen Meetings viel Geduld mit meinem Spanglish hat!
Gibt es ein Projekt, das dir besonders am Herzen liegt?
Alle Partner bringen Vorschläge, die mich begeistern. Doch es sind drei Projekte, die mir besonders nahe sind: Die zwei Projekte Lechería de la Solidaridad in Argentinien und Fundación SEPA in Bolivien. In der Lechería können Kinder einfach Kinder sein, bevor sie wieder in die harte Realität des Überlebenskampfes zurückkehren. Bei der Fundación SEPA finden Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung einen Weg, sich durch Kunst auszudrücken. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist komplex und trotz der Wirtschaftskrisen finden die Verantwortlichen kreative Wege, sie zu unterstützen. Das dritte Projekt, Observatorio de Violencia Obstétrica in Bolivien, setzt sich für die Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt, insbesondere von Gewalt in der Geburtshilfe, ein. Als Psychologin habe ich mit Frauen, die Gewalt überlebt haben, gearbeitet und gesehen, welche Zerstörung dadurch angerichtet wird. Diese sehr harte Realität betrifft in der Region Tausende von Frauen und Kindern. Es ist dringend, dass wir diese Not mit Herz und Mut angehen.
Wo siehst du die Stärken der Menschen in Bolivien; worauf kannst du aufbauen?
Bolivien anerkennt offiziell 36 indigene Völker. Es werden 36 indigene Sprachen und Spanisch gesprochen. Diese Vielfalt bereichert uns, wir sind so unterschiedlich, aber gleichzeitig auch sehr ähnlich. Der gemeinschaftliche Ansatz stärkt uns und wir finden Wege der Kommunikation und des Respekts vor Mehrheitsentscheidungen. Die Menschen in Bolivien sind sehr fleissig und kreativ. Trotz der aktuellen Krise des Staates haben sich viele ihre eigenen informellen Arbeitsplätze geschaffen, um zu überleben.
Du hast in Argentinien und den USA studiert, und würdest wohl auch dort eine Stelle finden. Warum bist du nach Bolivien zurückgekommen?
Ich kam in den Ferien aus dem Ausland zurück, um meine Familie zu besuchen und organisierte eine Weihnachtsaktion für Kinder, die mit ihren Vätern und Müttern im Gefängnis leben. Diese Aktion hat mein Leben geprägt, denn ich war empört über die Gleichgültigkeit der Menschen, der Behörden und die unmenschlichen Bedingungen, unter denen diese Kinder leben. Ich schwor mir, mein Land nicht zu verlassen, bevor ich nicht die Lebenssituation dieser Menschen verbessert hätte. Es war sehr schwer zu sehen, dass Menschenrechte nur auf dem Papier existierten. Wir haben gemeinsam mit den Kindern und ihren Müttern gekämpft und durch Malen, Musik und Theater Freundschaften geschlossen. Jetzt gibt es ernsthafte Probleme bei der Ernährung und dem Zugang zu Bildung. Unsere Gesellschaft ist so zersplittert und die Gesetze funktionieren nicht. Ich habe darum gelernt, mir kurzfristige Ziele zu setzen und mich über kleine Fortschritte zu freuen, um mit neuer Kraft weitermachen zu können. Wichtig ist, zu handeln, Veränderungen zu bewirken, das Unsichtbare sichtbar zu machen und denen eine Stimme zu geben, die nicht gehört werden.
Kurz gefragt:
Auftanken tue ich, indem… ich kreativ bin: beim Schauspielern, Tanzen, Schreiben oder Malen. Und ich bin Mutter von zwei wunderschönen Mädchen, mit denen ich viel spiele.
Wenn deine kleinen Töchter fragen, was du arbeitest, … sage ich, dass ich dafür sorge, Menschen in verschiedenen Ländern miteinander zu verbinden. Ich helfe ihnen, ihre Stärken zu erkennen und der Bevölkerung, die sie vertreten, mehr zu nützen. Ich unterstütze engagierte Menschen, ihren Weg zu beginnen, wenn sie wirklich die Welt verändern wollen.
Meinem Land Bolivien wünsche ich…. eine Kultur des Friedens und der Versöhnung und dass die Behörden ein Herz in den Farben Rot, Gelb und Grün haben, um dieses wunderschöne Land voranzubringen.
Helfen Sie mit!
Connexio develop unterstützt in Bolivien mehrere Projekte in den Bereichen Bildung und Landwirtschaft und arbeitet dabei mit zivilgesellschaftlichen Organisationen vor Ort zusammen.